© Claire Bretécher «Etude de femme assise» 1989
Claire Bretécher
20.6.2027
Auf Sofas fläzende Frauen, die unangepasste Teenagerin Agrippine: Claire Bretécher (1940–2020) schuf einige der prägnantesten Figuren des europäischen Comics. Durch Serien wie «Les Frustrés» und «Agrippine» wurde die Französin zu einer bedeutenden Chronistin des gesellschaftlichen Wandels. Mit scharfem Blick und feiner Ironie machte sie Emanzipation und Feminismus, Liebe und Familienleben, politische Milieus und die Widersprüche des Alltags zum Gegenstand ihrer Arbeit. Kaum eine andere Zeichnerin hat die Hoffnungen, Unsicherheiten und Selbsttäuschungen ihrer Generation so präzise und ernüchternd festgehalten.
Mit ihrem expressiven Strich und einer reduzierten Bildsprache verdichtete sie ganze Lebenswelten auf wenige Linien. Ob die zynische Agrippine, die selbstbezogenen Intellektuellen oder die Linksbürgerlichen aus «Les Frustrés»: Bretéchers Figuren haben nichts Heldenhaftes an sich, sondern sind vielmehr neurotisch, widersprüchlich und oft wenig sympathisch.
Bevor Bretécher mit «Les Frustrés» einem breiten Publikum bekannt wurde, arbeitete sie als eine der wenigen Frauen für die Magazine «Tintin», «Spirou» und «Pilote». Dort stellte sie mit «Cellulite» die Konventionen des von männlichen Helden dominierten Mediums auf den Kopf und schuf eine der ersten unangepassten Frauenfiguren der europäischen Comicgeschichte. 1972 gründete sie mit Marcel Gotlib und Nikita Mandryka das Magazin «L’Écho des Savanes», das wesentlich zur Etablierung des Autorencomics beitrug.
Die grosse Retrospektive zeigt Originalzeichnungen aus allen Schaffensphasen, von den frühen Arbeiten über ihre Klassiker bis zu Illustrationen und malerischen Werken. Aktuelle Positionen von Studierenden der Fachhochschulen in Luzern, Strassburg und Genf ergänzen die Ausstellung.
Pressekonferenz: 18.3.2027, 11 Uhr
Vernissage: 19.3.2027, 18.30 Uhr
Kuratorin: Anette Gehrig

© Claire Bretécher «Etude de femme assise» 1989